Gottesdienst

“Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh” – diese Zeile aus einem bekannten Kirchenlied von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf beschreibt, warum ich allsonntäglich singend vor Gott, den Schöpfer trete.

 

Der Gottesdienst ist Herzenssache. Aber er ist auch ein komplexes Beziehungsgeschehen in der Spannung von Ordnung und Freiheit, Form und Emotion.  Menschen kommen in einen Gottesdienst, um mit Gott in Kontakt zu kommen. Sie bringen freudige Gefühle ebenso vor ihn (“Lob”)  wie traurige oder wütende (“Klage”). Sie feiern eine gemeinsame Liturgie, weil sie diesen Kontakt am besten in Gemeinschaft mit anderen Menschen erfahren können.

 

Der Gesang ist dabei die zentrale Kulturtechnik des christlichen Gottesdienstes. Ich meine zwar, dass das Wesentliche des Gottesdienstes (das Evangelium und die Sakramente) keine Musik braucht. Allerdings bestimmt die Musik ganz wesentlich die Kultur und die Atmosphäre des Gottesdienstes. Und das ist für viele Gottesdienstbesucher von entscheidender Bedeutung.

 

Gemeinsames Singen schafft eine Beziehungsebene – miteinander auf Gott hin. Auch der Gesang braucht zur Gestaltung dieser Beziehung beides: Form und Ordnung einerseits sowie Freiheit und Emotion andererseits. Es ist wie bei einer Jazzkomposition. Sie braucht den klaren Beat ebenso wie die minimalen Verschiebungen, damit durch diesen ”groove” ein lebendiges Stück entsteht.

 

Der Gottesdienst an der Christianskirche ist bewusst nicht “stilrein”. Verschiedene Stile haben im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen. Ich will auf keine verzichten. Der sonntägliche gregorianische Psalm und die Barock-Motette stehen darum gelegentlich neben “Bridge over troubled water”.