Bildung

“I love music – and I love people” – Leonard Bernstein hat auf den Punkt gebracht, warum ich Musikpädagoge geworden bin.

 

Im Licht des menschgewordenen Gottes, in der Arbeit an vom Heiligen Geist inspirierten großen Kunstwerken – in beidem den Menschen selber als gottgestiftetes Kunstwerk, ja sogar als Ebenbild des Schöpfergottes zu begreifen (und ihn wiederum auf Gott zu verweisen): das ist meine Vision von kirchenmusikalischer Bildung.

 

Mit acht von mir geleiteten Chören verwende ich auf diesen Bereich den größten Teil meiner Arbeitszeit.

 

Meine Chöre unterscheiden sich nach Altersstufe und nach Anforderungsniveau. Für alle gleichermaßen gilt aber das Konzept: “Anspruch spricht an”. Ich arbeite bewusst und entschieden nicht niedrigschwellig. Ich denke, dass Menschen eher von etwas dauerhaft fasziniert sind, für das sie zuvor über sich hinauswachsen müssen. Ich gehe von der Annahme aus, dass Menschen Aufgaben brauchen, um Sinn erleben zu können. Und ich weiß von mir selbst, dass es für mich kaum etwas Schöneres gibt, als etwas Sinnvolles zu schaffen.

 

Aber Bildung bedeutet auch Ausbildung. Sie genügt sich in meinem Verständnis nicht selbst, sondern weist auf ein größeres Ziel hin: anderen Menschen im Gottesdienst Herzenstüren zum Schöpfergott zu öffnen oder sie in Kulturveranstaltungen mit heiliger Begeisterung zu erfüllen. Darum ist in meinem Bildungsverständnis nicht unbedingt immer der Weg das Ziel. Singen ist eine Kunst, das dazu nötige Können will erlernt und gepflegt werden. Dies gilt für meine beiden Kinderchöre im Grundschulalter, für die Kurrende (5. – 8. Klasse), die Jugendkantorei (ab 9. Klasse), den Kantatenchor (einen Chor für Menschen ohne größere musikalische Vorbildung), den Oratorienchor der Altonaer Singakademie (einen großen Chor mit Auftritten in der Hamburger Laeiszhalle u.a. mit den Hamburger Symphonikern), den Motettenchor (einen Kammerchor für Menschen mit gesanglicher Vorbildung) – und die “Spätlese” (einen höchst aktiven Seniorenchor, der sich aus der Altonaer Singakademie gebildet hat).

 

Nach einer Arbeitswoche mit diesen knapp 300 Individualisten weiß ich, was ich getan habe. Aber – es gibt nichts Schöneres für mich.